Verband Deutscher Charolais Züchter e.V. Verband der Deutschen CHAROLAIS ZÜCHTER e.V.
Fleischrindjournal

Bericht und Fotolink zur Jahresversammlung im Juni 2018 in Hessen (vom 31.12.2018)

Charolais-Jahrestreffen in Hessen

Turnusgemäß stand für 2018 das Bundesland Hessen als Gastgeber für das Jahrestreffen des Verbandes der deutschen Charolais-Züchter e.V. fest. In der Zeit vom 07. – 10. Juni 2018 fand das Jahrestreffen auf fünf gastgebenden Betrieben statt. Mit ca. 90-100 Teilnehmern, je nach Betriebsschwerpunkt der Gastgeber und Tag der Reise, war das Jahrestreffen insgesamt gut besucht.



Am ersten Tag des Jahrestreffens standen zwei kleine und von der Zeit, in der Charolais-Herdbuchzucht betrieben wird, „junge“ Betriebe auf dem Programm. Beide haben sich aber in den letzten Jahren durch konsequente Zuchtarbeit und die Präsentation Ihrer Tiere auf Bundes- und Landesschauen einen Namen gemacht.
Als erster Gastgeber war der Betrieb des Verbandsvorsitzenden Stefan Damm ausgewählt. Bei heißen Temperaturen trafen die Teilnehmer um die Mittagszeit im Betrieb Damm ein und freuten sich über die Schattenplätze und die kühlen Getränke. Nachdem der Betriebsleiter, der Bürgermeister der Gemeinde Dautphetal und der Ortsvorsteher von Buchenau alle Teilnehmer begrüßt hatten, konnten sich alle beim Mittagessen stärken. Nach einem Eis als Dessert ging es zu Fuß zu den Herden. Insgesamt hält der Betrieb Damm in Nebenerwerb auf 20 Hektar 10 Kühe mit Nachzucht. In der ersten Herde liefen einige Kühe mit jüngeren Kälbern zusammen mit dem Bullen Milord aus der Zuchtstätte Boehmler, Forstfeld. Gegenüber liefen vier angedeckte bzw. tragende Färsen mit dem genetisch hornlosen Bullen Lebaron Pp. Dieser aus französischer Zucht stammende Bulle wird wie Milord auch in Zuchtgemeinschaft mit einem Betrieb aus NRW gehalten. In der dritten Herde bekamen die Züchter die Jungrinder sowie einige Kühe mit weiblichen Kälbern zu sehen. Viel Wert legt Stefan Damm in seiner Zuchtarbeit auf den Rassetyp und die Milchleistung der Kühe, wobei auch das Merkmal der genetischen Hornlosigkeit beachtet wird.
Nach einer kurzen Autofahrt stand mit dem Betrieb von Sebastian Brühl in Battenberg-Laisa ein zweiter „junger“ Zuchtbetrieb auf dem Programm. Hier werden auf knapp 50 ha, mit ca. 50% Grünland, 11 Kühe und Nachzucht gehalten. Nach dem obligatorischen Kaffeetrinken und einer kleinen Zwangspause auf Grund eines Gewitterschauers ging es ebenfalls zu Fuß zu den Herden. In der ersten Herde lief neben einigen Kühen mit vielversprechenden Bullenkälbern auch der Herdenbulle Japhet PS, der aus Frankreich importiert wurde. Auch für Sebastian Brühl ist die Verankerung der genetischen Hornlosigkeit in Verbindung mit einem guten Rassetyp Hauptkriterium in seiner Zucht. Um dieses Zuchtziel zu erreichen, wird neben gehörnten Mutterlinien auch immer wieder mit gehörnter Genetik besamt. Ein gutes Beispiel dafür war ein junges Bullenkalb des französischen Besamungsbullen Helios, welches in der zweiten Herde lief. Als dritte Herde wurde noch eine Gruppe von sechs gut entwickelten Jungrindern mit unterschiedlichen genetischen Herkünften besucht.

Am zweiten Tag, dem Freitagvormittag, stand dann die Mitgliederversammlung mit den notwendigen Vereinsregularien an. Unter anderem wurde die anstehende Bundesschau im Oktober in Alsfeld besprochen und in den durchgeführten Wahlen wurden Stefan Damm als Vorsitzender und Marko Beu als Vorstandsmitglied und zweiter Vorsitzender in Ihren Ämtern bestätigt.
Am Nachmittag stand dann der Betrieb Gries auf dem Programm. Der Betrieb wird als GbR von Peter und Sabine, sowie Jan Christoph Gries als Vollerwerbsbetrieb geführt. Als Hauptstandbein betreibt der Bio-Betrieb neben der Fleischrinderzucht mit den Rassen Angus, Limousin und Charolais noch die Erzeugung von Bio-Ferkeln mit ca. 90 Sauen. Trotzdem, dass sich in den letzten Jahren das Verhältnis der gehaltenen Rassen etwas zu Ungunsten der Charolais verschoben hat, sind sie anhand der Kuhzahl die Hauptrasse im Betrieb. Aus Gründen der besseren Vermarktungsmöglichkeiten, aber sicherlich auch wegen der Sondergenehmigungen für die Enthornung der Kälber im Bio-Bereich, spielt auch die Zucht auf genetische Hornlosigkeit eine zunehmende Rolle. Es wird aber weiterhin auch mit vielen aktuellen französischen gehörnten Linien gezüchtet. Diese werden vor allem über Künstliche Besamung genutzt. Als Eigenbestandsbesamer können mit der KB gute bis sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Neben dem Einsatz der künstlichen Besamung werden verschiedene Deckbullen im Gemeinschaftsbesitz mit anderen Zuchtbetrieben gehalten.
Zusätzlich zum Verkauf von Zuchttieren wurden bisher auch männliche Absetzer zur Mast vermarktet. Diese sollen auf Grund der für Bio-Schlachtbullen interessanten Preise in Zukunft vermehrt ausgemästet werden.

Für den Samstagmorgen standen zwei Busse bereit, um die beiden Zuchtbetriebe und die Stadt Limburg an der Lahn zu besuchen. Zuerst ging es zum Betrieb der Familie Steinhauer.
Dr. Wilfried Steinhauer betreibt neben seiner Tierarztpraxis seit ca. 30 Jahren eine Charolaiszucht. Diese ist ganz klar auf gehörnte Tiere mit sehr gutem Rassetyp, vor allem aber auch schönen Köpfen ausgerichtet. In der Zuchtarbeit spielt die Entwicklung von funktional starken Mutterlinien eine zentrale Rolle. Da aus Sicht von Familie Steinhauer nur solche Linien einen langfristigen Zuchtfortschritt bieten. Auf knapp 50 ha Fläche werden 23 Kühe und Nachzucht sowie 2 Deckbullen gehalten. Neben dem Einsatz von Deckbullen, aktuell deckt der Bulle Gregor (V.: Gala), spielt auch die künstliche Besamung eine große Rolle im Betrieb Steinhauer. Seit Jahren wird hierfür eng mit dem Zuchtbetrieb Scea Riotte-Schrapfer aus Angely zusammengearbeitet. Dass diese erfolgreiche Zusammenarbeit auch zu einer Freundschaft geworden ist, unterstreicht die Anwesenheit von Jean-Louis Riotte und seiner Frau zur Betriebsbesichtigung. Nach dem Mittagessen im Betrieb Steinhauer ging es nach Limburg an der Lahn. Hier hatten alle Charolais-Züchter Zeit individuell, oder in kleinen Gruppen die schöne Altstadt und oder den Limburger Dom zu besichtigen.
Als fünfter und letzter Betrieb stand dann der Besuch bei Volker und Sebastian Reinhard in Niederbrechen an. Familie Reinhard betreibt auf 67 ha im Nebenerwerb eine Charolaiszucht mit etwas mehr als 20 Kühen und Nachzucht. Alle Tiere stehen im französischen Zuchttyp. Auf den Einsatz von genetisch hornloser Genetik wird konsequent verzichtet. Neben etwas künstlicher Besamung wird mit mehreren Deckbullen gearbeitet. Nach dem Kaffee ging es mit den Bussen zu einer kleinen Rundtour mit insgesamt fünf Herden. Besonders bemerkenswert war hierbei die Ruhe der verschiedenen Herden. Einen besonders positiven Eindruck im Hinblick auf die Ruhe und die Qualität der Tiere hinterließen die tragenden Rinder. Auch die übrigen Kühe mit Kälbern bei Fuß oder die Jungrindern bestachen durch hervorragende Entwicklung und sehr guten Typ. Besonders erwähnenswert ist auch noch der im Betrieb genutzte Altbulle Galet II und seine hervorragenden Nachkommen.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass sicherlich für alle Züchter, ob nun im heimatlichen Betrieb auch bzw. nur genetisch hornlos gezüchtet wird, oder der Schwerpunkt auf der Zucht der traditionellen französischen Genetik liegt, interessante Betriebe und Tiere in Hessen zu sehen waren.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Gastgebern für die hervorragende Bewirtung und Gastfreundschaft! Im kommenden Jahr treffen sich die Charolais-Züchter in Sachsen.

Clemens Braschos

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